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Fahrradpause mit Panorama vom Kranzberg, © Alpenwelt Karwendel | Andrea Schmölzer
Auf zur Testfahrt

Blog Archiv 2018 - von Andrea Schmölzer

Mit dem Bike durch die Alpenwelt Karwendel

Endlich mal Mann und Sohn davon radeln. Das wär’s! Also nichts wie auf zum nächsten E-Bike Verleih in der Alpenwelt Karwendel. Pedelec fahren ist ja total easy, oder? – Nach meiner Testfahrt und Gesprächen mit den Profis bin ich schlauer und hab‘ neun gute Tipps auf Lager.
Unser Radteam besteht aus meinem Mann und unserem Jüngsten, also zwei drahtigen Mountainbikern, tja und mir. Ich bin zwar auch sportlich, echt jetzt! – spiele Volleyball und Tennis, geh laufen, radfahren, wandern und auf Skitouren. Doch wenn wir durch die Berge radeln, bin ich der Loser. Als Dauer-Schlusslicht verliere ich schnell die Lust. Lange Anstiege steigern meine Verweigerungshaltung, steile schieb‘ ich lieber. Der innere Schweinehund scheint enorm. Nach zwei Stunden will mein Po schleunigst vom Sattel, und die Füße drohen vom Kurbeln einzuschlafen. Dabei werde ich manchmal richtig stinkig, wie ein Kind in der Trotzphase. Das birgt GROSSES Konfliktpotential! – Hilft das E-Bike, genauer ein Pedelec, gemeinsam wieder mehr Spaß zu haben?

Mit dem E-Bike durch die Alpenwelt Karwendel, © Alpenwelt Karwendel | Andrea Schmölzer

Hier kommen neun Tipps, damit eine E-Bike-Tour gelingt:

Tipp 1: Reservier‘ möglichst früh
Zuerst brauche ich ein Leihrad. Hunderte gibt bei den Fahrrad-Verleihmöglichkeiten in Mittenwald, Krün und Wallgau, fast die Hälfte davon E-Bikes beziehungsweise Pedelecs. Letztere unterstützen nur, wenn man selber tritt. Gerade zu Ferienzeiten gehen die weg wie warme Semmeln. Denn E-Biken brummt. Weil ich Schnarchnase erst am Tag davor anrufe, muss ich mich – zunächst – mit einem Citybike zufrieden geben. Unser Tommi (14) misst Radvergnügen derzeit nur in Millimetern Federweg und schmalen Trails. Deshalb hätte er mich natürlich lieber auf einem schneidigen E-Mountainbike gesehen. Aber wir sind zum Glück früh da. Somit ergattere ich noch ein Trekking-Modell. Passt, denn ich will ja ohnehin höchstens auf flacheren Forstwegen fahren.

Tipp 2: Beachte die Tücken des E-Motors
Als Radtechniker des Bikepoint Karwendel in Krün hat Rolf schon hunderte Male E-Bikes verliehen. Mit Engelsgeduld erklärt er mir meins. Ich spitze die Ohren und höre: Dass ich nur im „Off“ oder „Eco“-Modus starten und dabei den Lenker schnurgerade halten soll. Sonst geht das Rad mit mir durch. Dass ich gerade auf Kies „Obacht“ geben muss. Und dass der Irrglaube beliebt ist, man brauche nur den Motor stärker dazu zu schalten, sobald es anstrengend wird. „Wenn der Mensch würgt, dann würgt auch der Motor“, erklärt Rolf lachend. Will heißen, nur wenn der Gang so leicht ist, dass man auch gut mit treten kann, unterstützt der Motor eines Pedelecs wirklich. Das merke ich bei der ersten Steilstufe hinauf zum Lautersee. Ich schalte zu spät runter, der E-Motor „würgt“. Au weia. „Bergauf stehenbleiben, ist auch beim normalen Mountainbike Mist“, erklärt mein Mann mitleidslos. Vielen Dank.

Tipp 3: So ein E-Bike ist ganz schön schwer
Vor allem habe ich unterschätzt, wie schwer so ein Pedelec ist! Mühsam – unterstützt vom WALK-Modus (ja, den hat das Bike auch!) – schiebe ich nach oben. Und spätestens, als ich bergab auf Kies unterwegs bin, wird mir klar, dass diese Masse auch talwärts Schwierigkeiten machen kann. Da kommt mir der E-Drahtesel tatsächlich wie ein störrischer Esel vor!
Und allen Wheely-narrischen Jungs empfiehlt unser 14-Jähriger: Gar nicht erst probieren mit einem E-Bike, es ist (leider) viel zu schwer! – An Kinder verleihen die Profis in Krün übrigens sowieso gar keine E-Bikes. „Wenn das Rad fast so schwer ist wie das Kind, ist das viel zu gefährlich!“, erklärt Jutta. Leuchtet ein.

Nichts für E-Biker und nur für Könner!, © Alpenwelt Karwendel | Andrea Schmölzer

Tipp 4: Plan Streckenlänge und Puffer im Akku ein
Als ich bergauf schiebe, fällt mir Rolfs Rat ein: „Wähl die Strecke so, dass Du die (am Display) angezeigte Akku-Reichweite nicht völlig ausreizt.“ Wir könnten auch einen Zwischenstopp an einer der Ladestationen in Mittenwald, Krün oder Wallgau einzuplanen, die allerdings in höheren Lagen rar sind. Hat man keinen Akku mehr und am Rückweg einige Höhenmeter Gegenanstieg vor sich, kann das seeeehr unangenehm werden. Also, am besten die Strecke entsprechend seiner Fitness so wählen, dass man meist im Eco-Modus fahren kann und nur in Ausnahmefällen auf „Tour“ oder „Sport“ schalten muss. Mit einiger Verspätung checken wir also die online-Tourenbeschreibung und eventuelle Gegenanstiege. Und stellen fest, dass der Akku gut langen müsste, selbst wenn ich alles im „Tour-Modus“ fahre. Was mein Ehrgeiz verbietet. Denn ein bissl anstrengen möchte ich mich ja schon.

Tipp 5: Kenn und akzeptier‘ Deine Grenzen
Noch mehr als die Länge legt mir Jutta, ebenfalls vom Bikepoint Karwendel, die Art der Strecke ans Herz. Viele Kunden würden sich über- und die Gegebenheiten unterschätzen. „Wir fragen genau nach, wo’s hingehen soll, wie oft und welches Rad sie sonst fahren. Viele müssen wir auch bremsen. Denn die meisten denken, sie kommen mit Motor überall hin“, meint Jutta. Mit glatten City-Reifen auf einem steilen Schotterweg zu fahren etwa, sei ein „No go“. Und dass der Kurvenradius meines Bikes viel größer als der „meiner“ Männer ist, merke ich, als wir auf einem schmalen Weg wenden. Die Profis im Verleih beobachten ohnehin den Trend zum „Schneller-Höher-Weiter“ und der Selbstüberschätzung.

Bitte solche Hinweise stets beachten, © Alpenwelt Karwendel | Andrea Schmölzer

Michi vom Biker Bahnhof Mittenwald merkt dazu kritisch an: „Manche meinen, sie müssten als erste Tour gleich mal aufs Karwendelhaus“. Er rät Anfängern, mit einfachen Touren zu beginnen, und bietet ihnen einen kleinen E-Bike Grundkurs zur Eingewöhnung an.

Tipp 6: Der Weg gehört nicht Dir allein
Am Uferweg des Lautersees überholen uns zwei Jungs in einem Höllentempo, schlängeln sich johlend zwischen den Wanderern durch. Die springen wie verschrecktes Wild zur Seite. Tja, nicht gerade vorbildlich. Als Tommi ansetzt, es den Burschen gleichzutun, gibt‘s einen kurzen Verweis. Schließlich wandere ich selbst oft genug und weiß, wie aggressiv sich schon allein das knirschende Bremsgeräusch eines Rads am Kies anhört. Ganz zu schweigen, wenn man in einem Affenzahn knapp an mir vorbeidüst. Das macht – vor allem Älteren und Familien mit Kindern – Angst und muss nicht sein. Echt nicht! Umgekehrt bringt uns Biker eine fidele wandernde Fünferreihe, die auch nach freundlichen Aufforderungen partout nicht Platz machen möchte, zur Verzweiflung. Also an (uns) alle: Bitte einfach Rücksicht auf einander nehmen!

Tipp 7: Ab ans Wasser
Gerade an so einem heißen Sommertag wie heute sind Trinkpausen, aber auch Abkühlung ein Muss. Das hat auch unsere Tourenwahl beeinflusst: Wir steuern sage und schreibe sechs Seen an! Radeln also von Krün über die Buckelwiesen zum Schmalensee, in Mittenwald hinauf zu Lauter- und Ferchensee, dann am Ferchenbach entlang über Elmau nach Klais und zum Gerold. Auf dem Rückweg nach Krün machen wir noch einen Schlenker zum Barm- und dann zum Grubsee. Schon allein der Blick auf so einen Gebirgssee gibt neue Energie. Und immer wieder ins kühle Nass abzutauchen, macht richtig Spaß.

Der Sprung in Kühle Nass am Lautersee, © Alpenwelt Karwendel | Andrea Schmölzer

Tipp 8: Pause!
Am Ferchensee, nach der zweiten herrlichen Abkühlung, packt uns der Hunger. Im Biergarten direkt am Ufer gönnen wir uns ein Knödel Tris, große längliche Nocken mit Käse, Speck und Spinat. Eine genussvolle Art, die Salzreserven aufzufüllen! Danach starten meine Männer noch zur Extratour über den Kranzberggipfel. Ich hingegen chille bei der Affenhitze lieber am Steg des Gasthofs.

Der Ferchensee bei Mittenwald, © Alpenwelt Karwendel | Andrea Schmölzer

Im Wasser unter mir wurlt es: Jede Menge kleine Fische, dazwischen dümpeln zwei Riesenkarpfen neben dem bezaubernden Seerosen-Teppich. Nach einem kleinen Nickerchen radle ich dem Ferchenbach über Elmau weiter. In Klais treffe ich Mann und Sohn wieder.
Weiter geht’s zum verträumten Geroldsee, wo wir ein älteres Paar um ihren gemütlichen Stadel beneiden. Die steile grobschottrige Verbindung zum Barmsee hinunter schieben wir – das Schild „Radfahrer absteigen“ macht gut Sinn. Und am Seeufer entlang bis fast hinauf zum Grubsee auch. Hier haben definitiv die Wanderer Vorrang.

 

Fazit: Lehrreicher Spaß

OK, heute habe ich allerhand Neues „erfahren“. Und statt Trotzanfällen hatte ich Spaß. Allein schon die Genugtuung, als mein Mann (als Letzter!) den steilen Anstieg zum Grubsee hinaufschwitzt, während ich schon längst oben stand. Yes! – Tommi und ich haben unterwegs zweimal Rad getauscht, auch das war eine lustige Erfahrung. Zurück in Krün grinst Rolf wissend:

Die meisten kommen mit einem breiten Grinsen, geradezu ‚geflasht‘ zurück.
bringt Rolf er den Fun Faktor des E-Bikens auf den Punkt.

Immer wieder erlebt er Eltern, die dank Pedelec endlich wieder gemeinsam mit ihren erwachsenen Kindern radeln können. Für viele sei das einfach ein tolles Gefühl: Erstens, eine Tour zu schaffen und zweitens, mit der Familie gemeinsam unterwegs zu sein. Schon allein deshalb hält er E-Bikes für eine tolle Erfindung.

 

Doch, ob ich so ein Pedelec mit meinem sportlichen Ehrgeiz unter einen Hut bringe? Hmm. Eigentlich strenge ich mich schon gern ein bisschen mehr an. So gesehen hätte auch ich noch Zeit. Eigentlich.

  • Lust auf Radtouren in der Alpenwelt Karwendel macht auch die Broschüre „Rauf aufs Bike“.
     
  • Auf der E-Bike-Seite der Alpenwelt Karwendel findet man auch E-Bike-Ladestationen, die – praktisch! – oft an Einkehrmöglichkeiten liegen.
     
  • Und das praktische Tourenmodul beschreibt alle Radtouren inklusive Karte, GPX-Daten, Höhenprofil und Einkehrmöglichkeiten.

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