Ortsgeschichte von Wallgau

Die eigentliche Heimatgeschichte beginnt Ende des 5. nachchristlichen Jahrhunderts mit Verfall der römischen Herrschaft in der Provinz „Raetien“ (alle Gebiete östlich des Inn) und der Anfang des 6. Jahrhunderts einsetzenden Einwanderung des germanischen Stammes der „Bajuwaren“.

Der Name des uralten „Walhogoi“ (Gaues), dessen Hauptort Wallgau war, drückt aus, dass die Walchen oder Welschen, d.h. römische Siedler und ausgediente Legionäre, hier von den nach Süden drängenden Bajuwaren Zuflucht fanden und ihre Art und Sprache noch jahrhundertelang bewahrten. Urkundlich wird „Walhogoi“ erstmals anno 763 in der Gründungsurkunde des Klosters „Skarantia“ (Kloster Schranitz bis Klais“) erwähnt. Dieses wurde jedoch schon 10 Jahre später wegen der rauhen und unwirtlichen Gegend – das Kloster lag inmitten des damals urwaldähnlichen Scharnitzerwaldes – aufgelöst und mit Kloster Schlehdorf vereinigt. Im Mittelalter gehörte Wallgau den Grafen von Eschenlohe, einer Nebenlinie der mächtigen Grafen von Andechs. Graf Berthold, der letzte Eschenloher, verkaufte 1294 seinen Besitz an das Hochstift Freising, das hier zusammen mit Mittenwald, Garmisch und dem Eibseegebiet die „reichsunmittelbare, fürstbischöfliche Freising'sche Grafschaft Werdenfels“ bildete, benannt nach der Feste, die 1180 von Herzog Otto I. (von Wittelsbach) erbaut wurde und während der Hexenprozesse 1590 traurige Berühmtheit erlangte.

Die Zeit unter dem Krummstab, die sogenannte „Zeit des Goldenen Landl's“ (es war die Zeit der Fugger und Welser) berührte Wallgau nur wenig. Hier musste das Brot buchstäblich im Schweiße des Angesichts verdient werden, ob nun bei der Bestellung der kargen Äcker, im Holz, oder bei der nicht weniger schweren Arbeit des Isarflößers.

Die Isarflößerei ist seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar. Die „Wasserrott“, der Transport von Waren aus Italien auf Flößen nach München, Österreich und Ungarn, setzte erst im 15. Jahrhundert ein. Die uralte Straße über den Kesselberg nach München war seit altersher Pilgerweg, woraus sich auch das Patrozinium unserer Kirche, St. Jacobus d. Ä., erklärt (heut zugehörig zu dem berühmten Jacobsweg). 1120 hieß die Straße „via regia ad Tyrolensis et Italos“ und wurde durch Herzog Albrecht IV. weiter ausgebaut. Die letzten großen Truppendurchzüge sah Wallgau 1832/34, als bayerische Truppen nach Griechenland zogen.

Ab 1665 verkehrte hier die Taxis’sche reitende Post und ab 1760 „die fahrende Personenpost“. Am Nachmittag des 7. Septembers 1786 kam mit der Postkutsche der deutsche Dichterfürst, Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Italienreise durch Wallgau. Dreißig Jahre später nahm Heinrich Heine den gleichen Weg. Dies waren im weitesten Sinne die Begründer der Wallgauer Gastgebertradition.

Die Zeit des „Goldenden Landl's“ war längst vorüber, die Erbfolgekriege des 18. Jahrhunderts, Einfälle der Tiroler und die sog. Napoleonischen Kriege ließen unser Tal verarmen. Am 26. November 1802 wurde die Grafschaft Werdenfels Bayern einverleibt. 5.175 Werdenfelser wurden Bayern, wovon ein Sechstel außerhalb des Landl‘s ihr Brot verdienen mussten. Geblieben war aber die Schönheit unserer Heimat, welche die Maler der späten Romantikerzeit in ihren Werken einfingen und so erste Pioniere des Fremdenverkehrs wurden.

Anfang des vorigen Jahrhunderts besuchten Wallgau die ersten „Sommerfrischler“, wie man damals die ersten Gäste bezeichnete. Der Reiz unseres sonnenreichen Tales und die natürlich-herzliche Gastfreundschaft seiner Bewohner hat inzwischen all jene zu Stammgästen werden lassen, die in einer unverfälschten Natur Erholung und Entspannung finden wollen. Möge unser liebenswertes 1250 Jahre altes Wallgau weiterhin einer glücklichen Zukunft entgegengehen zum Wohle seiner Bürger und zur Freude seiner Gäste und Freunde aus aller Welt.

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