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Bergbauern in der Alpenwelt Karwendel, © Alpenwelt Karwendel | Maria Neuner

Auf zu den Sommerweiden

Wenige wissen, dass die klein strukturierte Landwirtschaft unser Bild der Alpen prägt. Umso besser, dass Schafe, Ziegen, Rösser und Rinder in der Alpenwelt Karwendel die Landschaft quasi nebenbei „offen“ halten und so für einen Wechsel aus Wald- und Wiesenflächen sorgen. Wanderer können den tierischen Landschaftspflegern auf saftigen Almwiesen begegnen und bei ihren Hirten auch einkehren. Ein Hirtenpaar zieht sogar samt Brotbackofen auf die Hochalm.

Im oberen Isartal gehört es nicht nur zum guten Ton, ein Instrument zu spielen, sondern auch Nutztiere zu halten. Die werden im Sommer quasi auf Urlaub geschickt: Mehr als 150 Ziegen, 220 Rinder, 40 Rösser und 400 Schafe ziehen jedes Jahr hoch hinauf auf die Sommerweiden rund um Mittenwald, Krün und Wallgau. Das sei heutzutage im Alpenraum ganz und gar nicht selbstverständlich, meint Peter Reindl. Er leitet seit 26 Jahren die Forst- und Weidegenossenschaft Mittenwald, mit 65 „Auftreibern“ wohl eine der stärksten in Oberbayern. Und das obwohl die meisten Einheimischen die Nutztiere „einfach so“, also nur im Nebenerwerb hielten.

So wie Anton Kriner. Der Vorsitzende des Ziegenvereins schickt selbst seine acht bis zehn „Goaßen“ jedes Jahr mit auf die Scheibenalm am Fuß des Kranzbergs, wo Hirten und Hütebuam – oft Jugendliche aus dem Ort – sie betreuen. Das war nicht immer so: Mitte der Achtziger Jahre begann eine Handvoll „Goaßerer“ mit gerade einmal 30 Tieren, die 1953 zum Erliegen gekommene Ziegenhaltung wieder anzukurbeln. Heute weiden rund 200 Ziegen und Zicklein auf den saftigen Wiesen nahe Ferchen- und Lautersee und erhalten so nebenbei das Landschaftsbild.

Dasselbe gilt für zig Jungrinder und für Hunderte Bergschafe, die Genossenschaftshirt Peppi Hornsteiner auf der gegenüberliegenden Talseite zwischen Hochlandhütte und Dammkar zu den saftigsten Stellen führt. Ohne die Tiere würden die Flächen „verbuschen“, der reizvolle Wechsel aus Wald und Wiese ebenso wie die Artenvielfalt im Nu verloren gehen. Dazu kommt, dass viele Tierhalter für das Winterfutter Magerwiesen wie die seltenen Buckelwiesen mähen und sie damit pflegen. Über 200 Arten leben auf diesen Wiesen, die laut Reindl „zu steil, zu buckelig und zu klein“ für herkömmliche Landwirtschaft seien. So gehe die Viehwirtschaft nahtlos in die Landschaftspflege über. Er schätzt an dieser kleinstrukturierten Landwirtschaft aber auch: „Die Gemeinschaft, viele Familien sind mit Leib und Seele dabei.“ Bei der traditionellen Wiesmahd im Hochsommer etwa. Das Ergebnis ist das abwechslungsreiche Bild, das auch viele Urlauber in der Alpenwelt schätzen: Wälder und blühende Wiesen vor Berggipfeln.

Mit 65 Auftreibern ist Mittenwald stark besetzt

65 „Auftreiber“ begleiten die Vierbeiner jedes Jahr auf die Sommerweiden, die sich auf insgesamt rund 1000 Hektar Wiesen- und Waldflächen erstrecken. Schafen, Jungrindern, Ziegen oder Pferden begegnet man auf vielen Bergtouren. Konflikte gebe es kaum: „Das Miteinander von Wanderern und Viehwirtschaft läuft bei uns gut, die meisten Leute sind vernünftig“, erklärt Reindl. Im späten Frühjahr geht es zunächst zu den „Niederlegern“, der Auhütte bei Wallgau oder der Riedalm südlich von Mittenwald. Im Sommer – je nach Schneeschmelze – ziehen Mensch und Tier dann weiter zu den „Hochlegern“ wie Brandl- oder Fischbachalm.

A propos Fischbachalm: Auf der Alm können Wanderer bei Beate Lössl und Martl Kraus auf frisches Holzofenbrot einkehren. Den Backofen nehmen die Wirte der Auhütte auf einem Anhänger, den Kraus aus einem ehemaligen Bulli gebaut hat - jedes Jahr mit auf den Hochleger im Soierngebirge. Auch auf den Almen der benachbarten Genossenschaften, wie der Wallgauer oder Krüner Alm lässt es sich bei Hirten gemütlich Brotzeit machen.

Almabtriebe in Sicht

Bleiben die Inzidenzzahlen weiterhin so niedrig, sind Hirten und Tierhalterinnen zuversichtlich, dass im Herbst 2021 wieder Almabtriebe gefeiert werden. Am 4. September würden dann die „Goaßen“, am 11. die Schafe und am 18./19. September dann die Rinder wieder ins Isartal zurückkehren.

Relevante Links:

Tourenportal der Alpenwelt Karwendel mit Hinweis auf Almen und Einkehrmöglichkeiten

Heukissen von den Buckelwiesen oder Produkte vom Mittenwalder Bergschaf und heilende Wolle-Packungen beim Werdenfelser Schafwollladen

Ebenfalls regionale Produkte vom Schaf, aber auch Ziegen- und Kuhfelle, Fleisch- und Wurstwaren sind beim Hofladen beim Schweb in Krün

(Laktosefreie!) Ziegenmilchprodukte gibt es auf der Mittenwalder Goas Alm.

Marmeladen, Chutneys und Pestos von Wald- und Wildfrüchten verkaufen vor allem Mary’s MarmeLaden , aber zum Teil auch B‘sonders und Guat in Mittenwald.

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