Geheimnisvolle Maschkera in Bayern

Bis Faschingdienstag, den 5. März 2019, ziehen die „Maschkera“ mit ihren Holzlarven durch das Werdenfelser Land . Der Geigenbauort Mittenwald gilt als „Fosnachts“-Hochburg. Die meist sehr musikalischen Gesellen sind in Gassen und Wirtshäusern unterwegs. Laut alter Tradition sollten sie vor allem eines nicht: erkannt werden.

Mittenwald/Krün/Wallgau - Laut Aberglaube sollte ein "Maschkera" seine Holzmaske nie außerhalb der "Fosnacht" aufsetzen. Sonst würde sie ihm ins Gesicht wachsen. Mittenwald in der Alpenwelt Karwendel gilt als Hochburg dieser traditionsreichen Faschingsfiguren. Ab Dreikönig holen die Maschkera ihre handgeschnitzten Larven hervor und pflegen den Brauch aus heidnischer Zeit: Sie ziehen durch die Gassen, um die winterlichen Dämonen zu vertreiben und den Frühling zu wecken. Dabei unerkannt zu bleiben ist höchstes Gebot.

Deshalb spricht ein Maschkera nicht, er „ruozt“ (raunzt) mit seiner Kehlstimme. Früher hielt man oft eine Art Femengericht über Einheimische, die etwas am Kerbholz hatten. "Heute wird mehr Musik gemacht", erzählt Georg Neuner. Das freut den Geigenbau- und Drechslermeister, der seit 33 Jahren an der Mittenwalder Instrumentenbauschule lehrt und selbst Larven schnitzt. Um die 50 Musikgruppen gibt es im Geigenbauort, schätzt Neuner. Im Gegensatz zu früher hätten die jungen Leute heute eine tolle Ausbildung und gute Instrumente. Maschkera seien am liebsten in Gruppen unterwegs. Neuner schwärmt von deren Spontanität, „ohne dass es „eing’sagt“ ist. Man trifft sich an Maschkera-Tagen – montags, dienstags oder donnerstags – bei einem „Spezi“. Dann schlüft man in traditionelles G‘wand der Vorfahren, versteckt Haare und Ohren unter einem Kopftuch, setzt die Larve auf, und los geht’s.

Höhepunkt des farbenfrohen Treibens ist der 28. Februar 2019, der „Unsinnige Donnerstag“. Pünktlich um zwölf Uhr mittags wecken die Schellenrührer in der Mittenwalder Fußgängerzone sowie in den Alpenwelt-Nachbarorten Krün und Wallgau den Frühling – wie bereits seit rund 500 Jahren. Mit kurzen Lederhosen, umgeschnallten schweren Ochsenglocken, grünen Hüten und kunstvoll gefertigten Holzlarven hüpfen die zwölf Schellenrührer - für die zwölf Monate des Jahres - in einer Reihe rhythmisch durch die Straßen. In Mittenwald gesellen sich dazu viele andere überlieferte Figuren und Gruppen, wie Pfannenzieher, Bärentreiber, Hexen und Jacklschutzer. Sie alle tragen kunstvolle Holzmasken, die heute noch von Geigenbauern und anderen geschnitzt und wie die Kostüme über Generationen weitergegeben werden. Jeden Montag, Dienstag und Donnerstag treffen sich Jugend und Maschkera zur „Gungl“ in einigen Wirtshäusern des Geigenbauortes. Dort stampfen die Maschkera beim Betreten der Wirtsstube, dann wird ausgelassen musiziert und getanzt.

Hintergrund: Die Wurzeln der Maschkera-Tradition stammen aus vorchristlicher Zeit. Das Ende der Raunächte am Dreikönigstag war früher der Wendepunkt, ab dem die Natur erwachen und allmählich wieder wachsen soll. Frühlingsfreude vertrieb die Schwermut, mehr Sonne die Dunkelheit des Winters. Der Heidenspaß dauert bis Aschermittwoch.

www.alpenwelt-karwendel.de

Ein Interview mit Maschkera-Kenner Georg Neuner lesen Sie hier, in der Erlebniswelt, dem Blog der Alpenwelt Karwendel.

Der Fastnachtsraum im Werdenfels Museum zeigt unter anderem verschiedene wertvolle Masken. Er führt durch die Faschingstraditionen im Werdenfelser Land.

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Schellenrührer-Umzug in Mittenwald / Alpenwelt Karwendel, © Zugspitz-Region Schellenrührer in Mittenwald - Foto: Zugspitz-Region
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Maschkera in der Alpenwelt Karwendel - Die Untersberger Mandl vor Lüftlmalerei verziertem Haus, © Alpenwelt Karwendel / Wera Tuma Maschkera in der Alpenwelt Karwendel - Untersberger Mandl - Foto: Wera Tuma
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Einer der Maschkera, der mit seiner handgeschnitzten Holzlarve den Frühling aufwecken und den Winter austreiben möchte., © Alpenwelt Karwendel / Wera Tuma Maschkera - Nahaufnahme - Foto: Wera Tuma
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Das Krätzenweibla stellt ein altes Weib dasr, das auf dem Rücken in einem Korb ihren Mann trägt. In wirklichkeit ist der Oberkörper der Frau nur ausgestopft, der Mann (sollte groß sein), ist hingegen echt. (QUelle: A. u. H. Rehm, Lebendiges Brauchtum in Werdenfels), © Alpenwelt Karwendel / Wera Tuma Maschkera in der Alpenwelt Karwendel - Krätzenweibla - Foto: Wera Tuma
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