Maschkera – Faschingskult in Bayerns Bergen

Der Fasching treibt die Maschkera im Werdenfelser Land in Gassen und Wirtshäuser. Besonders viele und schöne dieser Figuren mit Holzmasken sieht man in Mittenwald. Dort mischt ein junger Bildhauer kräftig mit.

Mittenwald / Alpenwelt Karwendel – Zwischen Dreikönig und Faschingdienstag „geht man Maschkera“ in der Alpenwelt Karwendel, und zwar seit Jahrhunderten. Dann ziehen Männer mit Holzlarven (Masken), Maschkera-Gewand und Musikinstrumenten durch Gassen und Wirtshäuser, um den Winter zu vertreiben. Höhepunkt ist der „Unsinnige Donnerstag“ vor dem Faschingswochenende, diesmal der 20. Februar 2020.

Im Geigenbauort Mittenwald, Hochburg der „Fosnacht“, ist Kunststudent Anton Ostler (26) oft als Maschkera unterwegs. Der junge Bildhauer schnitzt selbst Larven und liebt die alte Tradition. „Geh‘ ma heit?“, heißt es meist spontan an Maschkera-Tagen – montags, dienstags oder donnerstags. „Dann gehen wir zu einer Familie ins Haus, machen erst Brotzeit und musizieren dann vielleicht miteinander. Diese Nähe und Spontaneität ist ein Kontrapunkt zu unserer durchorganisierten Lebens- und Vereinswelt“, so Toni Ostler. Danach schlüpft man in altes Gewand oder eigene Kreationen, versteckt Haare und Ohren unter einem Kopftuch, setzt die Larve auf und zieht los. Dabei unerkannt zu bleiben, ist ein Muss.

„Masken und das sich Verkleiden faszinieren uns Menschen von je her“, meint Ostler. Die Larv‘ – wie man die Holzmaske im Werdenfels nennt –  ist wichtigstes Accessoire eines Maschkera. Mehrere Dutzend davon hortet seine Familie in Krün, an die 15 hat Toni selbst geschnitzt. Seine Liebe dazu begann früh: „Als Bub hab‘ ich in der Garage ein Schnitzeisen gefunden und am Schulweg beim Schnitzer in Mittenwald vorbeig‘schaut.“ Nach dem Abitur ging’s auf die Schule für Holz und Gestaltung im nahen Garmisch-Partenkirchen, später auf die Akademie der Bildenden Künste nach Nürnberg. Im Moment arbeitet Toni viel mit sehr kleinen geschnitzten Figuren. „Damit sie nicht übersehen werden, stell‘ ich ein Fernrohr dazu“, ergänzt der Weltraumfan lachend. Auch an der Akademie hatte er schon mit Masken zu tun, modellierte etwa Donald Trumps Gesicht in Ton.

Doch die Maske allein reiche nicht: „A guata Maschkera ist nicht mehr er selber, sondern lebt seine Rolle. So kannst mal über die Stränge schlagen, umanand blödeln. Das tut gut in einer dörflichen Gemeinschaft“, meint Ostler. Die Leidenschaft ist groß: „Mein Bruder hat sich ein eigenes Maschkera-Zimmer eingerichtet mit Larven und Kostümen. Ich zieh zur Fosnacht dann gern bei ihm aufs Kanapee“, so Toni.

Maschkera-Zeit sei eben Ausnahmezustand in der Alpenwelt Karwendel und setze enorme körperliche Kräfte frei. Besonders gut sehe man das beim „Mühlradl“, einer Gruppe, die zwei liegende Wagenräder zieht, auf denen je zwei Maschkera sitzen und sich in einem Höllentempo drehen. „Alle feuern sich gegenseitig an und geben richtig Gas!“, so Ostler. Natürlich kostet das Treiben auch Kraft: „Vom Tanzen bei der Gungl kriegst an Muskelkater in den Hax‘n, dann geht’s mit verschwitztem G’wand hinaus ins Schneetreiben, danach wieder in d‘ Wirtschaft. Die Woche nach der Fasnacht bin ich groggy“, gibt Toni zu.

Höhepunkt des Maschkera-Treibens in der Alpenwelt Karwendel

… ist der „Unsinnige Donnerstag“. Er fällt 2020 auf den 20. Februar. Pünktlich zum Zwölf-Uhr-Läuten der Kirchenglocke beginnen die Schellenrührer dann in Mittenwald, Krün und Wallgau mit ihrem Umzug. In kurzen Lederhosen, weißen Hemden, mit umgeschnallten schweren Ochsenglocken, grünen Hüten und handgeschnitzten Holzlarven hüpfen die 12 Männer - für die 12 Monate des Jahres - in einer Reihe rhythmisch durch die Orte. Der in hellblauen Seidentüchern gekleidete „Umläufer“ tanzt um sie herum. In Mittenwald, Hochburg der Werdenfelser „Fosnacht“,  gestalten viele weitere überlieferte Figuren und Gruppen, wie Pfannenzieher, Bärentreiber, Hexen und Jacklschutzer und das „Mühlradl“ den Umzug. Alle tragen kunstvolle Holzmasken, die wie die Kostüme über Generationen weitergegeben oder heute noch von Hand geschnitzt werden. Jeden Montag, Dienstag und Donnerstag trifft man sich zur „Gungl“ in einigen Mittenwalder Gasthäusern. Dort wird ausgelassen musiziert und getanzt.

Hintergrund

Die Maschkera-Tradition entstammt vorchristlicher Zeit. Das Ende der Raunächte am Dreikönigstag stand für den Wendepunkt, ab dem die Natur allmählich wieder erwacht. Die Vorfreude auf den Frühling und mehr Licht sollten die Schwermut und Dunkelheit des Winters ablösen. Der „Heiden“spaß dauert stets bis Aschermittwoch.

www.alpenwelt-karwendel.de

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Zu Besuch beim Larvenschnitzer Georg Neuner in Mittenwald, © Andrea Schmölzer, Alpenwelt Karwendel Holzlarve von Georg Neuner
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Schellenrührer-Umzug in Mittenwald / Alpenwelt Karwendel, © Zugspitz-Region Schellenrührer in Mittenwald - Foto: Zugspitz-Region
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Maschkera in der Alpenwelt Karwendel - Die Untersberger Mandl vor Lüftlmalerei verziertem Haus, © Alpenwelt Karwendel / Wera Tuma Maschkera in der Alpenwelt Karwendel - Untersberger Mandl - Foto: Wera Tuma
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Einer der Maschkera, der mit seiner handgeschnitzten Holzlarve den Frühling aufwecken und den Winter austreiben möchte., © Alpenwelt Karwendel / Wera Tuma Maschkera - Nahaufnahme - Foto: Wera Tuma
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Das Krätzenweibla stellt ein altes Weib dasr, das auf dem Rücken in einem Korb ihren Mann trägt. In wirklichkeit ist der Oberkörper der Frau nur ausgestopft, der Mann (sollte groß sein), ist hingegen echt. (QUelle: A. u. H. Rehm, Lebendiges Brauchtum in Werdenfels), © Alpenwelt Karwendel / Wera Tuma Maschkera in der Alpenwelt Karwendel - Krätzenweibla - Foto: Wera Tuma
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Der Kunststudent und junge Bildhauer Anton Ostler aus Klais/Krün schnitzt in seiner Werkstatt an einer "Larv", einer traditionellen Faschingsmaske., © Anton Ostler Anton Ostler beim Schnitzen
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