Bilderbücher auf Hausfassaden

Außergewöhnlich viele und prächtige Lüftlmalereien zieren Hausfassaden in Mittenwald, Krün und Wallgau. In kaum einer Region gibt es so viele Fresken aus dem 18. Jahrhundert wie in der Alpenwelt Karwendel. Und in nur wenigen Orten leben Künstler wie Stephan Pfeffer, die das Handwerk heute noch ausüben.

Bemalte Fassaden, sogenannte „Lüftlmalereien“ prägen so manches Ortsbild in Oberbayern. Besonders viele und prächtige „bayerische Fresken“ kann man in der Alpenwelt Karwendel bewundern. Schauspieler Ottfried Fischer witzelte 2012 beim Dreh einer „Pfarrer Braun“-Episode sogar: „In Mittenwald musst‘ aufpassen, dass Du nicht zwischen den Lüftlmalereien verschwindest.“ Schon Goethe bezeichnete Mittenwald als „lebendiges Bilderbuch“. In der Tat sind an keinem anderen Ort in Oberbayern so viele Lüftlmalereien aus dem 18. Jahrhundert erhalten; 22 Kunstwerke von damals zieren heute noch die Häuser. Die farbenfrohen Fresken zeigen - meist auf Bauern- oder Bürgerhäusern - vor allem biblische Motive. Sie erzählen von Himmelfahrt, Höllenqualen, Frömmigkeit oder Feuersbrunst, später hielten die Künstler auch historische oder Alltagsszenen aus dem Werdenfelser Land fest.

Nach über 200 Jahren sind die Malereien in beeindruckender Brillanz erhalten. „Dank original Maltechnik können die Farben Jahrhunderte überdauern“, erklärt Stephan Pfeffer*), der wie sein Vater Sebastian die Ausbildung als Maler und Bildhauer absolvierte. Die alte Technik erforderte eine äußerst rasche Hand: Eine rund zwei Millimeter dicke Mörtelschicht wurde aufgetragen, jeweils nur so viel wie der Maler an einem Tag „al fresco“ - auf feuchtem Putz - bemalen konnte. An der Luft verbanden sich die Mineralpigmente der Farbe mit dem Untergrund zu einer wasserfesten Schicht. Pfeffer junior führt die Tradition der Lüftlmalerei weiter, allerdings „al secco“, also auf trockenem Putz. „Eine sehr geübte Hand, viel Sinn für Proportion und Perspektive braucht man auch heute noch für die Lüftlmalerei“, weiß er. Vater und Sohn haben sich in ihrem Heimatort auf Wohn- und Geschäftshäusern oder an der Kapelle Maria-Königin am Lautersee verewigt. Menschen in Werdenfelser Tracht, bäuerliche Alltags- und Handelsszenen vom historischen Bozner Markt oder Schutzheilige sind traditionsreiche Motive. 

Ihren Ursprung hatte die Fassadenmalerei in Italien zur Zeit der Renaissance und des Barock. Fahrende Händler und Künstler brachten sie über die Alpen, wo sie zunächst in süddeutschen Städten, später auch am Land, begeistert aufgenommen wurde. „Den Namen Lüftlmalerei verdankt die Kunst vermutlich der Malerfamilie Zwink, die in Oberammergau das Anwesen „Zum Liftl“ besaß und - wie im Alpenraum üblich - den Hausnamen trug“, erzählt Regine Ronge. Seit über zehn Jahren gilt die Leidenschaft der Mittenwalder Gästeführerin der Lüftlmalerei. Bei ihren Touren zeigt sie gerne das „Zwölf-Apostel-Haus“, das vermutlich Schüler von Matthäus Günther verzierten. (Der Augsburger Kirchenmaler hatte maßgeblich die Mittenwalder Pfarrkirche St. Peter und Paul mitgestaltet.) Am heutigen „Hotel Post“ in Wallgau oder am Schlipferhaus in Mittenwald hat sich der einheimische Künstler Franz Karner (1737-1817) verewigt. Dem „Liftl“ Franz Seraph Zwink (1747-1792) hingegen verdankt Mittenwald die prachtvollen Fassaden des „Gasthofs Alpenrose“ und des „Hornsteiner Hauses“. Letztere zeigt die Enthauptung des Feldherrn Holofernes durch die schöne Judith, eines von Regine Ronges Lieblingsmotiven: „Es erzählt auf wenigen Quadratmetern eine Geschichte, die in der Bibel gleich mehrere Seiten einnimmt.“

Lüftlmalerei-Führungen bietet die Tourist-Information Mittenwald in der Sommersaison jeweils donnerstags um 10 Uhr an, im Winter zur Weihnachts- und Faschingszeit. Aber auch bei den Ortsführungen montags in Krün und Mittenwald sowie freitags in Wallgau erfährt man mehr über die „lebendigen Bilderbücher“. 

Mehr zur Lüftlmalerei in und um die Alpenwelt Karwendel:
• www.alpenwelt-karwendel.de/kultur
• Partenkirchen (Ludwigstraße) - www.gapa.de
• Oberammergau (Zentrum) - www.oberammergau.de

*) Bitte kontaktieren Sie Lüftlmaler Stephan Pfeffer zunächst nicht direkt, sondern melden Sie sich zuerst bei uns. - Danke.

Kontakt:
Alpenwelt Karwendel, Judith Fidler, Tel.(08823) 33 902,
E-Mail: j.fidler@alpenwelt-karwendel.de - www.alpenwelt-karwendel.de
 

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Medien-Kontakt für Interviewpartner, Fotos in hoher Auflösung und bei weiteren Fragen: Andrea Schmölzer von peak pr, Tel: +49-8151-773 773, E-mail: schmoelzer@peak-pr.de

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Lüftlmalerei am Traditionsgasthof Alpenrose im Obermarkt in Mittenwald, © Rudolf Pohmann Lüftlmalerei Alpenrose
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Lüftlmalerei in der historischen Ballenhausgasse Mittenwald, © Rudolf Pohmann Lüftlmalerei Ballenhausgasse
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die Fußgängerzone von Mittenwald in der Alpenwelt Karwendel lädt mit den Lüftlmalereien der Kirche und seinen Gastwirtschaften zum Genießen und Verweilen ein, © Rudolph Pohmann Mittenwald Fußgängerzone mit Kirche
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